Bypass-Operation

 

                

 

 

Bypass-Operation am Herzen
 Dr. med. Katharina Larisch

 

Was ist eine Bypass-Operation am Herzen?

Bei einer Bypass-Operation werden verengte oder verstopfte Herzkranzgefäße durch eine Umleitung überbrückt - daher auch das Wort Bypass, engl. für Umleitung. So wird sichergestellt, dass das Herz auch hinter den verstopften Stellen wieder ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgt wird.

Als Überbrückung dienen kleine Venenstücke aus dem Unter- bzw. Oberschenkel (aortokoronarer Venen-Bypass) oder eine Umleitung der Brustwandarterie (Arteria-mammaria-interna-Bypass). Nach einer gelungenen Bypass-Operation gewöhnt sich das kleine Stückchen Venengewebe bald an seine neue Aufgabe. Es bildet seine Wände um und wird zu einer richtigen Arterie.

In Deutschland werden jährlich ca. 78.000 Bypass-Operationen durchgeführt.

 

Wie funktioniert eine Bypass-Operation?

In den meisten Fällen findet die Operation am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine statt. Damit der Arzt überhaupt an das Herz herankommt, muss er das Brustbein der Länge nach aufsägen. Danach lässt sich der Brustkorb so weit "aufklappen", dass das Herz frei liegt. Das Herz wird an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, welche die Aufgaben von Herz und Lunge übernimmt.

Das Herz selbst wird während der Operation stillgelegt. Die entnommenen Venenstücke werden auf die richtige Größe zugeschnitten und in das Gefäßsystem des Herzens eingepflanzt. Die Brustwandarterie behält ihren Ansatz und wird nur umgeleitet, d.h. das Ende wird auf das Herzkranzgefäß genäht. Anschließend werden die Herzkranzgefäße mit einer Kühllösung gespült, gleichzeitig kontrolliert der Operateur, ob sie wieder gut durchlässig sind. Dann wird das Blut wieder durch das Herz geleitet; es wärmt das Herz langsam wieder auf.

Meistens beginnt es von selbst wieder zu schlagen, wenn es seine normale Temperatur erreicht hat. Manchmal muss ihm auch ein kleiner Stromschlag auf die Sprünge helfen. Jetzt wird noch einmal genau geprüft, ob alle Nähte dicht sind und das Herz wieder richtig funktioniert. Erst wenn das sicher ist, wird die Herz-Lungen-Maschine abgeklemmt.

 

Wie funktioniert die Herz-Lungen-Maschine?

Bei vielen Eingriffen werden Herz und Lunge aus dem normalen Kreislauf ausgeschaltet und stillgelegt. Ihre Funktion übernimmt eine externe Herz-Lungen-Maschine. Dieser Vorgang wird als extrakorporale Zirkulation (EKZ) oder cardiopulmonaler Bypass bezeichnet. Von den Hohlvenen (Vena cava) wird das Blut in die Maschine geleitet. Dort wird es mit Sauerstoff angereichert. Danach leitet die Maschine das Blut direkt in die Hauptschlagader (Aorta). Um eine Minderversorgung der einzelnen Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen zu verhindern, wird der Sauerstoffbedarf der Gewebe während der EKZ herabgesetzt. Hierzu bedient man sich der Unterkühlung des gesamten Körpers. Die Abkühlung des Patientenblutes mittels Wärmeaustauscher ist heute das Verfahren der Wahl. Dabei wird der Patient auf eine Körpertemperatur von bis zu 18 Grad Celsius gebracht. Die extrakorporale Zirkulation kann über mehrere Stunden gefahrlos aufrechterhalten werden. Allerdings kann die Herz-Lungen-Maschine nur innerhalb bestimmter zeitlicher Grenzen die Funktion von Herz und Lunge übernehmen.

 

Im Vorfeld der Operation werden alle Organe auf ihre Funktionsfähigkeit untersucht. Dies ist wichtig, um eine Gefährdung durch die Narkose und die große Operation so weit wie möglich auszuschließen.
 


Was passiert nach der Bypass-Operation?

Nach einer so schweren Operation ist es für die Patienten nicht einfach, wieder auf die Beine zu kommen. Um die Muskeln zu kräftigen müssen sie täglich krankengymnastische Übungen durchführen. Es dauert meist mehrere Wochen, bis ein Bypass-Patient wieder allein Treppen steigen kann. Trotzdem ist die Bewegung gut für die Beine und den Blutkreislauf.



Das Brustbein braucht für die vollständige Heilung ungefähr zwei bis drei Monate. Man muss bedenken, dass es durchgesägt wurde.  Während des Heilungsprozesses sollten die Patienten ruckartige Bewegungen vermeiden. Bei Verspannungen im Schulterbereich, die als Folge der Schmerzen im Brustbein entstehen können, helfen vorsichtige Massagen und Krankengymnastik.

Bei vielen Betroffenen tritt einige Zeit nach der Bypass-Operation eine depressive Verstimmung auf. Es ist wichtig, über entsprechende Gefühle zu sprechen und die Operation als neuen Anfang und Chance zu verstehen. In einer Rehabilitationsklinik wird nicht nur ein körperliches Aufbauprogramm durchgeführt, sondern auch auf die Stimmungslage des Betroffenen eingegangen. Viele Betroffenen haben nach der Operation große Schwierigkeiten mit der Konzentration. Früher nahmen Wissenschaftler an, dass der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine die Ursache dafür sei. In Studien ließ sich dies jedoch nicht bestätigen. Regelmäßige Übungen helfen, die Konzentration zu verbessern. Es kann trotzdem Monate dauern, bis sich die Konzentrationsstörungen wieder zurückbilden.

 

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